Fotografieren über den Wolken

Am Freitag, den 28.12.2018 sah die Wetterlage ziemlich vielversprechend aus. Zumindest was Nebelfotos betrifft. Schnee ist leider auch weiterhin nicht in Sicht. Damit ist dieses Jahr wohl auch nicht mehr zurechnen. 😉 Zumindest im Schwarzwald. Das hielt mich aber nicht davon ab mein Glück zu versuchen.

Die Webcam am Buchkopfturm, meiner Meinung nach der beste „Nebelstandsanzeiger“ für die Region hier, zeigte ein relativ schnell ansteigender Nebel. Da diese Solarbetriebene Kamera in den Wintermonaten nur jede halbe Stunde statt wie sonst alle 10 Minuten ein Bild macht, kann man da natürlich auch nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass der Nebel bei Ankunft auch genau so bleibt, bzw weiter ansteigt. Oder evtl. auch wieder absinkt. Man kann aber schön den Verlauf beobachten und bekommt so ein recht gutes Bild über die aktuelle Wetterlage.

Da ich über diese Tage frei hatte, versuchte ich mein Glück. Allerdings nicht am Buchkopfturm, sondern mein Ziel lag in der Nähe des Mummelsee’s. Beim Buchkopfturm war ich ja erst am 2. Weihnachtsfeiertag. 🙂


[ Milchstraße über Oppenau ] – Sony A7S, Batis 25; Panorama aus mehreren Aufnahmen

Bei der Tour zum Buchkopftturm war ich nachts übrigens zum ersten Mal ganz ohne Taschenlampe oder meine Stirnlampe unterwegs.
Es schien auch kein Mond. In fast völliger Dunkelheit. Den Weg konnte man grade noch so erkennen.

Ihr fragt euch warum?

Ich hatte sie schlicht vergessen! 😀 Nochmal heimfahren war da natürlich keine Option. Die Milchstraße wartet schließlich nicht!

Da ich den Weg ja schon recht gut kannte und er gut zu gehen war wagte ich es also mal ganz ohne Licht zum Turm. Öfter mal was neues. 🙂

Klappte auch alles hervorragend. Für den Aufstieg und die Sucherei im Fotorucksack musste da meine Schlüsselbund-Mini-LED herhalten. War zwar etwas umständlicher als sonst und man kam sich ziemlich doof vor,  wenn man sich aus Gewohnheit ständig an die Stirn fassen will um das Licht anzumachen. Aber das sieht man ja auf dem fertigen Foto nicht. Und mitbekommen hat es ja zum Glück auch niemand. Ich war ja alleine dort. 😉

Daher war die Stirnlampe für die nun anstehende nächtliche Foto-Tour über die Wolken mit das Erste was eingepackt wurde. Denn nachts auf den Katzenkopf, ganz ohne Licht ist keine gute Idee. Wer den Weg da hoch kennt, weiß was ich meine. 🙂

Mit dabei war dieses mal noch das 150-600er Tamron. Sonst bleibt das nachts immer zu Hause. Da das bei der längsten Brennweite nur F6,3 zulässt, ist das für wenig Licht nämlich überhaupt nicht geeignet. Eigentlich. Da ich mit relativ wenig Wind und guter Fernsicht gerechnet habe, wollte ich einfach mal testen, wie gut oder wie schlecht man mit einer großen Brennweite und längerer Belichtungszeit fotografieren kann. 600 mm bieten sich dafür ja hervorragend an.

Als interessantes Motiv konnte ich von dort oben dann aber nur den Feldberg ausmachen. Immerhin war der schlappe 81 km entfernt.

Ziel erfasst, rangezoomt. Feuer frei. 30 Sekunden warten. Treffer versenkt.

Naja. Ok. Natürlich nicht gestochen scharf. Am Fokus des Objektives lag’s nicht. Schärfer konnte man von Hand nicht fokusieren. Bei der enormen Entfernung ist bei 30 Sekunden natürlich viel Bewegung in der Luft. Das merkt man auch wenn man manchmal den Mond fotografieren will. Da gibt es dann einfach keine richtig scharfen Fotos. Um’s verrecken nicht.

Also gut.

Test-Fazit: Es geht. Aber man darf eben keine Wunder erwarten. 🙂

Aber trotzdem ein schöner Gedanke auf der Hornisgrinde zu stehen und dem Feldberg doch „so nah“ zu sein.


[ Feldberg aus 81km ] – Sony A7R3, Tamron 150-600; ISO 640; F6,3; 30s

Bei 30 Sekunden und 600 mm Brennweite nur auf dem Stativ war mir da jedoch zu unsicher. Daher hab ich die Gegenlichtblende auf einem großen Stein aufgelegt. So konnte sich durch den kaum spürbaren Wind nichts aufschwingen. Der Bildstabilisator der Kamera war dabei ausgeschaltet. Der hätte wohl bei der langen Belichtung eher zu noch mehr Unschärfe geführt.

[ Making of ]

Da es dann allmählich dunkler wurde, was die Bilder damit nicht unbedingt besser machte, habe ich mir die Zeit noch mit einem „Selfie“ vertrieben. Die Milchstraße war da schon einigermaßen gut zu erkennen, obwohl am Horizont ganz schwach noch der Sonnenuntergang zu erahnen war.


[ Selfie auf dem Katzenkopf ] – Sony A7S, Voigtländer 12mm; ISO 8000; F5,6; 30s

Dabei sah man auch schon einige wenige Orte durch den sehr dicken Nebel leuchten. Das bedeutet es ist bald dunkel genug für die Milchstraße.

In den Wintermonaten um diese Uhrzeit steht sie über dem Rheintal. Also eigentlich alles andere als günstig. Durch die extreme Lichtverschmutzung kann man sie da nur schwer fotografieren. Wenn überhaupt. Gefühlt ist es da über Weihnachten zudem nochmal heller als sonst. Wahrscheinlich durch die Weihnachtsbeleuchtung überall. Leuchtet ja irgendwie ein. #Wortspiel 😀

Da nun aber der dicke Nebel das Licht der Städte schluckt, bzw. einen sehr großen Teil schlicht nicht durchlässt, ist es oberhalb des Nebels um ein vielfaches dunkler als sonst. Da auch kein Schnee liegt, der das wenige Restlicht meist auch noch etwas verstärkt, war es so maximal dunkel. Zumal der Mond erst gegen Mitternacht über den Schwarzwald blickte. Besser konnten die Bedingungen nun wirklich nicht sein!

Bei der Aufnahme war es grade mal gegen 19:30. Also hatte ich alle Zeit der Welt und konnte es ruhig angehen.


[ Milchstraße & Ich ] – Sony A7S, Batis 25; Panorama aus mehreren Aufnahmen

Hier musste ich dann wieder ein mal die Insta360 OneX für ein schnelles 360°-Panorama startklar machen. Auch wenn diese Kamera mit der Dunkelheit schon sehr zu kämpfen hat. Aber so ein 360°-Panorama kann die Stimmung meist nochmal ganz anders darstellen als ein einfaches Foto in eine bestimmte Himmelsrichtung.

All zulange konnte, bzw. vielmehr wollte ich die Aussicht dort oben unter dem grandiosen Sternenhimmel allerdings dieses mal nicht genießen. Außer mir selbst als „Vordergrund“ gab’s da oben nämlich nicht viel, was für ein spannendes Bild zusammen mit der ziemlich westlich stehenden Milchstraße in Frage gekommen wäre.

Da der Nebel – wenn auch sehr langsam anstieg, wollte ich noch versuchen die ganze Szene vom Westweg aus fotografieren. Da sollte dann die Richtung der Milchstraße gegen später besser passen.

Also wieder runter zum Mummelsee gestiefelt, ins Auto gehockt und nach wenigen Minuten Fahrt zum Parkplatz unterhalb des Geißkopfs hieß es dann wieder hoch auf den Berg.

Dort angekommen musste ich feststellen, dass das Flutlicht vom Skilift Seibelseckle durch den reflektierenden Kunstschnee doch ziemlich ordentlich in den sonst dunklen Nachthimmel ballerte. Aber es klappte dann doch noch ganz gut. 🙂


[ Milchstraße vom Westweg aus ] – Sony A7S, Batis 25; Panorama aus mehreren Aufnahmen

Einige hundert Meter weiter musste ich dann verblüfft feststellen, dass der Nebel nun doch deutlich höher war und die Kamera ein weiteres Mal in Anschlag gebracht werden musste!

Denn so hatte ich die Hornisgrinde noch nie gesehen. Wahnsinn! Die Nebelgrenze lag nun exakt auf Höhe des Mummelsee’s. Allerdings nur für einen kurzen Moment.


[ Nebelgrenze: Mummelsee ] – Sony A7R3, Sony 55 mm; HDR aus mehreren Aufnahmen

Den fließenden Nebel habe ich mit einer Belichtungszeit von 2 Minuten „glatt“ bekommen. Für den Sternenhimmel musste ich da natürlich eine weitere Aufnahme machen, da die Sterne durch die Erddrehung bei solch langer Belichtung Striche ziehen. Bei dem Bild kam mir das Flutlicht vom Eck’le dann sogar sehr gelegen. So war die Hornisgrinde perfekt ausgeleuchtet. 🙂

Innerhalb von nur 30 Minuten stieg der Nebel richtig ordentlich an.
Ja, ich weiß! Eigentlich müsste man davon ja eine Zeitrafferaufnahme machen! Aber dafür fehlte mir die Geduld, ein 2. Stativ und eine weitere geeignete Kamera. 🙂

…bis dann eine Zeit lang erst mal nichts mehr zu sehen war.

Was schnell kommt, geht meist auch schnell wieder. Da ich ja glücklicherweise kein Zeitdruck hatte, blieb ich natürlich noch eine Weile dort und hoffte darauf, dass sich der Nebel bald wieder auf Mummelsee-Niveau legte.

Nach rund 15 Minuten war es dann auch soweit. Die Sicht wurde wieder klar.


[ Milchstraße über der Hornisgrinde ] – Sony A7R3, Samyang 14mm;
ISO 6400; F2,8; 30s

Als kurz darauf der Nebel aber erneut über mich schwappte und ich meine Fotos ja eigentlich im Kasten hatte, beschloss ich den Standort ein weiteres mal zu wechseln.

Wo könnte man den nun sehr hohen Nebel besser fotografieren als vom höchsten Punkt aus? Ab auf die Hornisgrinde! Zum zweiten Mal an diesem Abend. Man gönnt sich ja sonst nix. 🙂

Zunächst machte ich aber noch Halt am Mummelseeblick. Da fehlte mir aber etwas der Blick in der Breite über das Nebelmeer.

Also ging es eine Station höher. Zur neuen Grindehütte. Von dort aus hat man eine recht schöne Sicht über den Mummelsee.

Da es bereits gegen 1 Uhr war, leuchtete der aufgehende Halbmond hier schon den Schwarzwald aus.


[ Meeresblick ] – Sony A7R3, Batis 25; HDR aus mehreren Aufnahmen

Jetzt wurde es aber auch mal Zeit, für den Rückweg. Meine A7S hatte auf Grund der Kälte schon den 4. Akku drin und mein „Akku“ verlangte langsam auch mal eine Aufladung. 🙂

Auf der Heimfahrt über Sasbachwalden war ich dann aber ziemlich erstaunt, dass sich schon kurz nach Brandmatt plötzlich der zunächst extrem dichte Nebel lichtete- die Sicht war teilweise unter 15 m und man schon in Sasbachwalden wieder eine fast klare Sicht auf die Lichter in der Ebene hatte. Unten in Achern angekommen, sah es aus als wäre es lediglich ziemlich stark bewölkt. So hab ich das auch noch nie erlebt! Meistens ist es dann auch bis ins Flachland durchweg nebelig.

So lag der Mummelsee im Prinzip also gar nicht am Nebelmeer, sondern sprichwörtlich über sehr tief hängenden Wolken. Was es nicht alles gibt! 🙂

Die Natur ist eben immer wieder für eine Überraschung gut!

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